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501

Inspiriert von der Skochy-Smash-Challenge standen Ende Januar 501 Liegestütze und 501 Stangen-Kniebeugen auf dem Programm. An einem stürmischen und grauen Sonntagmittag habe ich mich also am Spot warm gemacht, ehe ich an die Challenge ging. Der Plan war in Sätzen abwechselnd je 5 Liegestütze und 5 Kniebeugen zu machen, das ganze mal einhundert. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass solche submaximalen Wiederholungszahlen für die Ausdauer-Challenges bei mir gut funktionieren.

Zu Beginn vergingen die Wiederholungen wie im Flug. Durch die niedrigen Wiederholungen pro Satz war es nicht wirkliche eine Frage der Kraft ob ich die Challenge absolviere, sondern mehr eine mentale Herausforderung. Lediglich der Wind hat die Balance bei den Kniebeugen auf einem Fahrradständer zeitweise deutlich herausfordernder gestaltet.

Ab etwa der Hälfte bei 250 Wiederholungen kamen Fragen im Kopf aus warum ich das ganze überhaupt mache. Warum quäle ich mich im kalten Januar durch repetitive Bewegungen? Warum die Zeit darin investieren, anstatt „sinnvolles“ Parkour-Training zu machen?

Seit meiner Anfangszeit 2006 waren solche Challenges ein fester Bestandteil wie Parkour vermittelt wurde. Beispielhaft sind hier Blane (1001 Muscle-Ups, 501 Katzen-Prezis) und die Schilderungen von Stephane Vigroux aus „The Monkey’s Back“ zu nennen. In der Dresdner Community hatten wir selbst auch schon solche Challenges gemacht. Aber warum eigentlich? Was bringt es dieselben Bewegungen vom Hundersten ins Tausendste zu wiederholen?

Wie so oft im Parkour geht es für mich dabei nicht so sehr um die tatsächliche Bewegung, sondern um den mentalen Prozess dahinter. Man ist allein mit seinen Gedanken und lernt Gedanken zulassen, sie aber auch weiterziehen zu lassen und sich wieder zu fokussieren. Es ist eine Art Meditation.

Der zweite Aspekt ist, dass solche Challenges eine weitere Option der Problemlösung lernen. 501 Liegestützen klingen am Stück vollkommen utopisch. Aufgeteilt in kleinere Sätze sind sie jedoch für jeden machbar, wenn man die Zeit investiert. Herausforderungen, die auf den ersten Blick also viel zu groß erscheinen, können immer in kleinere, handhabbare Teilschritte aufgegliedert werden und somit gemeistert werden.

Der dritte Aspekt ist, ein Ziel zu verfolgen und sich bis dorthin durchzubeißen. Wenn man die Herausforderung in kleine Teilschritte aufgeteilt hat, muss sie „nur“ noch umgesetzt werden. Je nach Komplexität und Kraft kann das mal schwerer (Climb-up-Challenge) oder einfacher (Liegestütze) sein. Wichtig ist jedoch, dass man sich durchbeißt und bis zum Ende durchhält.

Bei all den Challenges kommt es nicht auf die tatsächlichen Wiederholungen an. Ein Anfänger lernt bei 101 vermutlich ähnlich viel wie ich bei 501. Es soll eine Herausforderung sein, die die eigenen Grenzen erweitert, jedoch auch nicht überfordert. Es wird eine andere Form der mentalen Stärke trainiert, als wenn man schwierige Sprünge meistert. Gerade deswegen finde ich es wichtig sich ab und zu solchen Herausforderungen zu stellen. Parkour ist ein vielschichtiger Sport und wenn man immer nur seinen ausgetretenen Trainings-Wegen folgt, verpasst man spannende und bereichernde Erfahrungen.

Schlussendlich waren die 501 Liegestütze & Kniebeugen für mich weniger körperlich herausfordernd als befürchtet. Nach etwa 1 Stunde und 15min (der Handyakku war durch die Kälte in die Knie gegangen) war der ganze Spuk vorbei. Erschöpft aber zufrieden konnte ich somit wieder eine Herausforderung abhaken und wurde wiedermal mit Muskelkater am nächsten Tag belohnt.